Fünf Tage, die bleiben
Von Edinburgh über Glencoe und die Isle of Skye bis nach Inverness: Eine fünftägige Tour zeigt Schottland
von seiner vielleicht schönsten Seite.
Spektakuläre Landschaften, kleine Hafenorte, jahrtausendealte Geschichte, Cows und ziemlich viele Schafe: Wer die schottischen Highlands bereist, bekommt in kurzer Zeit erstaunlich viel geboten. Mit Highland Explorer Tours geht es fünf Tage lang im Minibus durch den Westen und Norden Schottlands. Eine Reise, bei der nicht nur die großen Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem die vielen Stopps dazwischen in Erinnerung bleiben.
Edinburgh liegt noch nicht lange hinter uns, da verändert sich die Landschaft bereits. Die Straßen werden schmaler, die Orte kleiner, die Berge höher. Links und rechts tauchen die ersten Lochs auf, Schafe stehen zuverlässig dort, wo man sie fotografieren möchte, und spätestens jetzt wird klar: In den kommenden fünf Tagen wird vor allem die Landschaft das Programm bestimmen. Die Tour von Highland Explorer Tours führt mit maximal 16 Gästen durch die Highlands, auf die Isle of Skye und bis nach Inverness. Die Gruppe ist international, gereist wird im Minibus. Das ist klein genug, um auch Straßen und Aussichtspunkte anzufahren, die für große Reisebusse schwierig sind – und groß genug, um nicht allein unterwegs zu sein.
Glencoe – großes Kino gleich zu Beginn
Glencoe gehört zu den Orten, bei denen Bilder vorher nur bedingt helfen. Das Tal ist weit, rau und dramatisch. Berge ragen direkt neben der Straße auf, Wasserfälle ziehen sich über die Hänge und das Wetter wechselt so schnell, dass dieselbe Landschaft innerhalb weniger Minuten vollkommen anders aussehen kann. Wie so oft in den Highlands steckt hinter der schönen Kulisse allerdings eine weniger schöne Geschichte. Beim Massaker von Glencoe wurden 1692 zahlreiche Angehörige des Clan MacDonald getötet. Geschichten über Clans, Jakobiten und die konfliktreiche Vergangenheit Schottlands werden uns während der gesamten Reise begleiten.
Erstes Tagesziel ist Oban an der Westküste. Die kleine Hafenstadt ist überschaubar und lebendig zugleich. Fähren legen zu den vorgelagerten Inseln ab, Fischerboote liegen im Hafen und entlang der Promenade finden sich Pubs und Restaurants. Nach einem Tag in den Highlands genau der richtige Ort für den Abend.
Ein bisschen Harry Potter gehört dazu
Auf dem weiteren Weg Richtung Westen wartet ein Stopp, den Harry-Potter-Fans vermutlich schon vor der Reise auf ihrer Liste haben: das Glenfinnan Viaduct. Die Eisenbahnbrücke mit ihren 21 Bögen wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und wäre schon aufgrund ihrer Lage sehenswert. Weltberühmt wurde sie als Strecke des Hogwarts-Express.
Der kurze Aufstieg zum Aussichtspunkt lohnt sich. Von oben reicht der Blick über das Viadukt, Loch Shiel und die umliegenden Berge. Ein perfektes Fotomotiv – mit und ohne Zauberschüler. Überhaupt lohnt es sich auf dieser Reise, nicht nur auf die großen Programmpunkte zu warten. Die Strecken dazwischen sind mindestens genauso sehenswert. Immer wieder gibt es zusätzliche Stopps an Aussichtspunkten, Wasserfällen oder einfach dort, wo es gerade besonders schön ist.
Skye: tatsächlich so schön wie auf den Bildern
Die Isle of Skye ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum viele überhaupt in die schottischen Highlands reisen. Und die Insel enttäuscht nicht. Grüne Hänge, schroffe Felsen, Steilküsten, Wasserfälle, kleine Häuser und dazwischen immer wieder Meer. Die Landschaft ist spektakulär, ohne herausgeputzt zu wirken. Hauptort der Insel ist Portree mit seinen bekannten bunten Häusern am Hafen. Der Ort ist klein, lässt sich gut zu Fuß erkunden und bietet genügend Pubs und Restaurants für einen entspannten Abend. Außerhalb von Portree wird es schnell wieder einsam. Der Old Man of Storr ragt weithin sichtbar aus der Landschaft, schmale Straßen führen durch den Norden der Insel und hinter fast jeder Kurve wartet ein neuer Aussichtspunkt. Hier spielt der kleine Bus seine Vorteile aus. Mit 16 Gästen bleibt die Gruppe beweglich und zusätzliche Stopps sind unkompliziert möglich. Gerade diese nicht immer geplanten Unterbrechungen machen einen großen Teil des Reizes der Tour aus.


Burgen, Clans und ziemlich viel Geschichte
Zurück auf dem Festland, wartet mit Eilean Donan Castle eines dieser Motive, bei denen Schottland fast ein bisschen zu schottisch aussieht. Die Burg liegt auf einer kleinen Insel dort, wo drei Lochs aufeinandertreffen. Berge im Hintergrund, Wasser davor, alte Steinmauern in der Mitte – fertig ist das Postkartenmotiv.
Während der Fahrt wird aber schnell deutlich, dass die Highlands weit mehr sind als schöne Kulisse. Kaum ein Tal und kaum eine Burg kommen ohne Geschichte aus. Unser Guide Hugh Mackay erzählt von Clans und Jakobiten, von Bonnie Prince Charlie, Konflikten mit England und vom Leben in den Highlands. Fundiert, unterhaltsam und mit genau der richtigen Portion schottischem Humor.
Das ist wichtiger, als man bei der Buchung vielleicht denkt. Wer fünf Tage gemeinsam im Bus verbringt, braucht einen guten Guide. Hugh ist nicht nur ein sicherer Fahrer und kennt die Region bestens, sondern nutzt immer wieder die Möglichkeit für zusätzliche Stopps. So bekommt die Reise etwas Persönliches, ohne dass das Programm aus den Augen verloren wird.
4.000 Jahre Geschichte an einem Vormittag
Rund um Inverness liegen zwei Orte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind. Die Clava Cairns sind rund 4.000 Jahre alt. Grabkammern, Steinkreise und mächtige aufrecht stehende Steine stammen aus der Bronzezeit und zeigen eindrucksvoll, wie lange diese Region bereits besiedelt ist. Nur wenige Minuten entfernt liegt Culloden Battlefield.
Hier endete am 16. April 1746 der letzte Jakobitenaufstand. Die Schlacht dauerte weniger als eine Stunde und hatte weitreichende Folgen für die Highlands und ihre traditionelle Clanstruktur. Heute ist Culloden ein stiller und eindrucksvoller Ort. Gedenksteine erinnern an die gefallenen Angehörigen der verschiedenen Clans. Nachdem man zuvor mehrere Tage ihre Geschichten gehört und die Landschaft gesehen hat, in der sie lebten, bekommt dieser Ort noch einmal eine ganz andere Bedeutung.
Nessie darf natürlich nicht fehlen
Und dann wäre da noch Loch Ness. 37 Kilometer lang, bis zu rund 230 Meter tief – und weltweit vor allem für eine Bewohnerin bekannt, deren Existenz bis heute nicht abschließend geklärt ist. Nessie gehört selbstverständlich zum Programm. Der See selbst ist allerdings beeindruckend genug. Dunkles Wasser, grüne Hügel und die typische Landschaft des Great Glen machen Loch Ness auch ganz ohne Monster sehenswert. Ein etwas genauerer Blick aufs Wasser schadet trotzdem nicht.
Warum 16 eine ziemlich gute Zahl ist
Fünf Tage in einer Reisegruppe sind nicht für jeden automatisch die erste Wahl. Das Konzept mit maximal 16 Personen funktioniert allerdings erstaunlich gut. Die Gruppe ist klein genug, um beweglich zu bleiben, und auf unserer Reise international zusammengesetzt. Unterschiedliche Nationalitäten und Altersgruppen machen die gemeinsamen Tage eher interessanter als komplizierter.
Übernachtet wird in Bed & Breakfasts. Auch das passt zu dieser Art zu reisen. Die Unterkünfte waren durchweg ausgesucht und persönlich. Vor allem aber bekommt man dort etwas mit, das in einem großen Hotel leicht verloren geht: die schottische Gastfreundschaft. Und noch etwas spricht für die organisierte Variante: Man muss sich um erstaunlich wenig kümmern. Keine Route planen, keinen Parkplatz suchen, keine schmalen Straßen selbst fahren. Stattdessen bleibt Zeit, sich die Landschaft anzuschauen. Und davon gibt es reichlich.
Das Beste liegt oft nicht im Reiseplan
Nach fünf Tagen liegen Glencoe, Oban, Glenfinnan, Skye, Eilean Donan Castle, Inverness, Culloden und Loch Ness hinter uns. Eine beachtliche Liste. Aber genau diese Liste beschreibt die Reise nur unzureichend.
In Erinnerung bleiben auch die Stopps, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren. Ein Wasserfall am Straßenrand, ein besonders schöner Aussichtspunkt, eine Geschichte zu einem Ort, dessen Namen man vorher noch nie gehört hatte. Und natürlich die Landschaft selbst. Die Highlands sind groß, rau, manchmal menschenleer und vor allem unglaublich abwechslungsreich. Fünf Tage reichen nicht, um sie wirklich kennenzulernen. Aber sie reichen, um ziemlich sicher zu wissen, dass man wiederkommen möchte.
REISE-INFO
Highland Explorer Tours
5 Day Isle of Skye, Loch Ness & Inverness
Dauer: 5 Tage
Start und Ziel: Edinburgh
Reiseform: geführte Kleingruppenreise im Minibus
Gruppengröße: maximal 16 Personen
Highlights: Glencoe, Oban, Glenfinnan Viaduct, Isle of Skye, Portree, Eilean Donan Castle, Inverness, Loch Ness, Clava Cairns und Culloden Battlefield
Übernachtungen: kleine Bed & Breakfasts und Guesthouses

